Maßnahmen bei entlaufener Freigängerkatze.

Die wichtigsten ToDos

Der Radius und das Revier einer Freigängerkatze sind nicht selten sehr viel größer als die Besitzer für möglich halten, so dass es sein kann, dass der Heimweg mal deutlich länger dauert als üblich. Dennoch könnte sie sich auch in der Nähe aufhalten und sich z.B. nach einem Revierkampf nicht mehr nach Hause trauen oder bei euch oder Nachbarn eingesperrt sein. Bitte setzt daher folgende Maßnahmen um:

  1. Sucht selbst in Wohnung und/oder Haus alles mehrfach (!) genau ab, verlasst euch nicht auf andere Aussagen. Katzen verstecken sich öfter auch an ganz ungewöhnlichen Orten. Hinter Schränken, unter Bettkästen, Waschmaschinen, in Kellerabteilen usw. Wenn sie verängstigt sind, kann es auch länger dauern, bis sie ihren Unterschlupf wieder verlassen. Denkt auch daran, Garagen, Schuppen und Gartenhäuschen mehrfach (!) abzusuchen und diese eine längere Zeit offen stehen zu lassen, damit die Katze raus kann, selbst wenn ihr sie nicht dort gesehen habt. Mitunter sind Katzen wahre Künstler im Verstecken. Bittet auch eure Nachbarn darum, dass ihr selbst in deren Garagen, Schuppen und Kellern nachsehen dürft oder wenigstens alle Türen eine ganze Weile offen gelassen werden, damit die verängstigte Katze in Ruhe wieder ihren Heimweg antreten kann.

  2. Freigängerkatzen lassen sich öfter auch bei bestem Bezug zu euch nicht einfach finden und verhalten sich nach einer Weile der Abwesenheit völlig anders als im vertrauen Heim. Viele Katzen kehren nicht selten im Schutz der Dunkelheit der Nacht zurück. Geht deshalb auch nach Einbruch der Dunkelheit noch einmal auf die Suche. Nehmt eine Taschenlampe mit, um ggfs. die reflektierenden Katzenaugen zu sehen. Klappert mit der gewohnten Katzendose, ruft vorsichtig und (möglichst) entspannt nach ihr, macht vertraute Geräusche.

  3. Lasst unbedingt auch eure Wohnungs-/Haustüren offen, damit eure Katze die Möglichkeit hat  zurückzukommen. Stellt einen gefüllten Futternapf vor eure Türe, gerne auch das Katzenklo und/oder die Decke der Katze. So kann eure Katze ihren eigenen vertrauten Geruch riechen.

  4. Stellt eine Vermisstenmeldung mit Foto eurer Katze in unserer Partner-Facebook-Gruppe Katzen vermisst und zugelaufen München und rund rum ein. Dort sind ca. 2.500 Mitglieder vertreten, die gut vernetzt sind. Bitte gebt dort Stadtteil, Straßennamen und Telefonnummer an, unter der ihr jederzeit erreichbar seid und die Info, ob sie gechippt und registriert ist (keine Chipnummer).  

  5. Informiert telefonisch folgende Einrichtungen (Telefonnummern findet ihr unter Wichtige Adressen):
    • Polizei – auch in umliegenden/angrenzenden Stadtteilen, da die Reviere untereinander nicht vernetzt sind.
    • Tierheim – ggf. auch im Umland.
    • Tasso – auch falls die Katze nicht gechipt ist. Die Registrierung kann nachgeholt werden.
    • Bahn (Wildschäden)
    • Tierkliniken
    • Bauhof AWM

    • Tierkrematorium

    • ggfs. Jäger/Förster 

Heimwegschleppe (HWS)

Die HWS ist eine der erfolgreichsten Maßnahmen in der Tiersuche. Sinn dieser Schleppe ist, der Katze zu helfen, nach Hause zu kommen. Grundsätzlich gilt es abzuklären, wer dafür geeignet ist, die HWS zu gehen, denn nicht immer ist der Besitzer die engste Bezugsperson des Haustieres. Auch der Geruch anderer Haustiere oder von Nachbarn kommt theoretisch in Frage. Bitte kontaktiert uns vorher. 

Stellt euch das Zuhause als Sonne vor und die Heimwegschleppe als Sonnenstrahlen, die zum Haus hinführen.

 

Ein von der Bezugsperson vor dem Entlaufen getragenes T-Shirt wird an eine Leine gebunden. Nun fährt man mit dem Fahrrad von Zuhause weg in eine Richtung. Nach ca. 1-2 km dreht man um und lässt beim nach Hause fahren das T-Shirt auf dem Boden schleifen. Zuhause angekommen nimmt man das T-Shirt wieder hoch und fährt in eine andere Richtung. Nach 1-2 km dreht man wieder um und lässt das T-Shirt am Boden schleifen.
 Das macht man sternförmig aus allen Richtungen, immer in Richtung nach Hause. Dabei bitte niemals über Schienen, große vielbefahrene Straßen etc. fahren!

 

HWS mit dem Auto funktioniert im Idealfall so: 
Ein Bekannter der Familie fährt mit seinem (also der Katzen fremden) Auto und nimmt den Besitzer mit. Nach 2 km Fahrt in eine Richtung steigt der Besitzer aus und geht ein getragenes Shirt hinter sich am Boden entlang schleifend nach Hause. Der Bekannte sammelt ihn Zuhause wieder auf und fährt 2km in eine andere Richtung. Von dort aus geht der Besitzer wieder mit dem schleifenden T-Shirt nach Hause. Das macht man sternförmig aus allen Richtungen, immer in Richtung nach Hause. 

 

Wichtig: Bei entlaufenen Katzen hat sich auch eine Schleppe mit dem Urin der Besitzer bewährt, verdünnt mit Wasser in einer Plastikflasche. In den Deckel werden Löcher gestochen, so dass bei umgedrehter Flasche Flüssigkeit raustropft. Die HWS kann damit verstärkt werden. Schleppen mit Katzenminze, Baldrian o.ä. bitte nur nach Absprache mit uns legen und bedenken, dass diese auch fremde Katzen anziehen und ggfs. wiederum die eigene Katze vom Heimweg abhalten kann (Revierkämpfe etc). 

 

Flyer

Ist die Freigängerkatze nach einigen Tagen noch nicht wieder zurück, sind Flyer unumgänglich, um Aufmerksamkeit zu bekommen und Sichtungen melden zu können. Flyer können entweder von Tasso angefordert oder selbst gestaltet werden. 

Bei der Gestaltung sollte beachtet werden, dass zwei/drei kleinere Fotos das Tier an einem Laternenmast besser erkenntlich machen als ein großes. Beim Text gilt: Weniger ist mehr, damit die Leser das Wichtigste schnell erfassen können. Um Sichtungsmeldungen überprüfen zu können, sollten keine Angabe zu besonderen Merkmalen gemacht werden. Wichtig sind natürlich auch Telefonnummern, idealerweise mit kleinen Abreißzetteln. 

 

Die Besitzer sollten nach dem Flyern gegebenenfalls die HWS erneuern.


Die Anzahl der aufgehängten Flyer ist ein weiteres wichtiges Kriterium, um Aufmerksamkeit zu erzeugen. Mehrere hundert Stück großflächig um das Entlaufgebiet (ggf. auch Sichtungsgebiet) sind Minimum nötig, auf dem Land noch mehr in einem Radius von mehreren Kilometern. 

 

Wo geflyert werden darf: Ampeln, Laternenmasten und Stromkästen ohne Werbeflächen. Es sollte nicht jede Laterne beklebt werden, besser markante Stellen und Knotenpunkte: Vor Bäcker, Supermarkt, Metzger, Frisör, Reitstall, freiwillige Feuerwehr, Taxifahrer, Kreuzungen, Hauptwege etc. 

 

Wo flyern in München verboten ist: In allen städtischen Parks, in denen die Grünflächenverordnung gilt (z.B. Englischer Garten, Maximiliansanlagen), an Bäumen, in Bushaltestellen, in der U-Bahn und in allen U- und S-Bahnhöfen oder auf Privatflächen ohne Genehmigung (z.B. Olympiapark oder Privatgrundstücke). In anderen Gemeinden gelten mitunter andere Regeln. 

 

Suchhunde

Nicht immer ist der Einsatz eines Suchhundes sinnvoll. Es gibt jedoch Situationen, die einen Einsatz erforderlich machen. Folgende Indikationen sprechen für einen schnellen Einsatz: 

  • Die Katze hatte einen Unfall, z.B. mit einem Auto. Es besteht die Gefahr, dass sie verletzt ist. 
  • Die Katze ist schon recht alt oder noch sehr jung (wenige Monate alt) und es besteht die Gefahr der Orientierungslosigkeit. 
  • Die Katze ist auf Medikamente angewiesen und droht ohne diese zu Schaden zu kommen. 

Für einen Suchhunde-Einsatz wird ein Geruchsartikel benötigt. Dieser sollte rechtzeitig gesichert werden. Geeignet ist alles, womit in der Regel das entlaufene Tier in Kontakt war: Katzendecke, Katzenbürste, Katzenklo, Geschirr, Spielzeug etc. Dabei sollte die Oberfläche nicht glatt sein, da hier der Geruch nicht gut haftet. Der Geruchsartikel wird von den Besitzern in eine große geruchsneutrale Tüte (z.B. Müllbeutel) gegeben und zur Seite gelegt (z.B. auf einen Schrank). Alle Menschen und Tiere, die mit diesem Artikel in Kontakt gekommen sind, müssen beim Start dabei sein, damit der Suchhund deren Gerüche als zu suchenden Geruch ausschließen kann. 

 

Achtung! Es gibt viele Hundebesitzer, die privat mit ihren Hunden trailen. Diese Hunde sind in der Regel nicht ausreichend ausgebildet! Auch sind Einsatzerfahrung, Einsatztaktik usw. immens wichtig. Unser Team verfügt über professionell ausgebildetete Suchhunde und Hundeführer, die gegen eine geringe Aufwandsentschädigung in den Einsatz gehen.

 

Lebendfalle

Der Einsatz einer Lebendfalle macht dann Sinn, wenn alle Versuche, die Katze manuell zu sichern, gescheitert sind. Das kann in manchen Fällen relativ schnell der Fall sein, z.B. weil noch kein enger Bezug zu den Besitzern vorhanden ist, diese nicht mobil oder nicht vor Ort sind (Urlaub). Lebendfallen und Wildtierkameras können gegen eine geringe Gebühr bei uns ausgeliehen werden.