Weitere Schritte bei entlaufenem Hund.

Sollte euer Hund nach einigen Stunden noch nicht wieder bei euch sein, solltet ihr euch mit den nächsten Schritten vertraut machen. Es gilt weiterhin Ruhe zu bewahren. Haltet euch vor Augen, dass Hunde selbst im Winter wahre Überlebenskünstler sind und mit eurer Unterstützung auch nach Tagen oder gar Wochen wieder zu euch finden können. Wir sind für euch da und helfen euch!

Heimwegschleppe (HWS)

Die HWS ist eine der erfolgreichsten Maßnahmen in der Tiersuche. Sinn dieser Schleppe ist, dem Hund zu helfen, nach Hause zu kommen. Grundsätzlich gilt es abzuklären, wer dafür geeignet ist, die HWS zu gehen, denn nicht immer ist der Besitzer die engste Bezugsperson des Haustieres. Auch ein Hundefreund oder Zweithund kommt theoretisch in Frage. Bitte kontaktiert uns vorher. 

Stellt euch das Zuhause als Sonne vor und die Heimwegschleppe als Sonnenstrahlen, die zum Haus hinführen.

 

Ein von der Bezugsperson vor dem Entlaufen getragenes T-Shirt wird an eine Leine gebunden. Nun fährt man mit dem Fahrrad von Zuhause weg in eine Richtung. Nach ca. 1-2 km dreht man um und lässt beim nach Hause fahren das T-Shirt auf dem Boden schleifen. Zuhause angekommen nimmt man das T-Shirt wieder hoch und fährt in eine andere Richtung. Nach 1-2 km dreht man wieder um und lässt das T-Shirt am Boden schleifen.
 Das macht man sternförmig aus allen Richtungen, immer in Richtung nach Hause. Dabei bitte niemals über Schienen, große vielbefahrene Straßen etc. fahren!

 

HWS mit dem Auto funktioniert im Idealfall so: 
Ein Bekannter der Familie fährt mit seinem (also dem Hund fremden) Auto und nimmt den Besitzer mit. Nach 2 km Fahrt in eine Richtung steigt der Besitzer aus und geht ein getragenes Shirt hinter sich am Boden entlang schleifend nach Hause. Der Bekannte sammelt ihn Zuhause wieder auf und fährt 2km in eine andere Richtung. Von dort aus geht der Besitzer wieder mit dem schleifenden T-Shirt nach Hause. Das macht man sternförmig aus allen Richtungen, immer in Richtung nach Hause. Wenn der entlaufene Hund einen Hundefreund hat, kann dieser gern beim Weg nach Hause mitgenommen werden. So wird der Weg nach Hause für den entlaufenen Hund noch attraktiver!

 

Wichtig: Wenn der entlaufene Hund erst ein paar Tage beim Besitzer war und noch keine (feste) Bindung zu ihm aufgebaut hat bzw. keine feste Bezugsperson/Bezugstier vor Ort sind, sollte zusätzlich zum Shirt unbedingt mit Wurstwasserschleppen gearbeitet werden. Dazu werden ein paar Liter Fleischbrühe mit z.B. Leberwurst, Käse, Wiener (was der Kühlschrank so an intensiven Sachen hergibt) aufgekocht, abgesiebt und die Flüssigkeit in Plastikflaschen abgefüllt. In die Deckel werden Löcher gestochen, so dass bei umgedrehter Flasche Brühe raustropft. Die HWS kann damit verstärkt werden.

 

Flyer

Ist der Hund nach einigen Stunden noch nicht wieder zurück, sind Flyer unumgänglich, um Aufmerksamkeit zu bekommen und Sichtungen melden zu können. Flyer können entweder von Tasso angefordert oder selbst gestaltet werden. 

Bei der Gestaltung sollte beachtet werden, dass zwei/drei kleinere Fotos das Tier an einem Laternenmast besser erkenntlich machen als ein großes. Beim Text gilt: Weniger ist mehr, damit die Leser das Wichtigste schnell erfassen können. Um Sichtungsmeldungen überprüfen zu können, sollten Beschreibungen zu Halsband und Geschirr fehlen. Wichtig sind natürlich auch Telefonnummern, idealerweise mit kleinen Abreißzetteln. 

 

Die Besitzer sollten selbst nicht flyern, um ihren Geruch nicht wild in der Gegend zu verteilen. Dies würde eine Rückkehr über HWS so gut wie unmöglich machen. Sie sollten daher Freunde oder Bekannte mobilisieren, die keine Bezugspersonen zum entlaufenen Tier darstellen. Ausnahme: Auf der HWS-Strecke können auch die Besitzer flyern.


Die Anzahl der aufgehängten Flyer ist ein weiteres wichtiges Kriterium, um Aufmerksamkeit zu erzeugen. Mehrere hundert Stück großflächig um das Entlaufgebiet (ggf. auch Sichtungsgebiet) sind Minimum nötig, auf dem Land noch mehr in einem Radius von mehreren Kilometern. 

 

Wo geflyert werden darf: Ampeln, Laternenmasten und Stromkästen ohne Werbeflächen. Es sollte nicht jede Laterne beklebt werden, besser markante Stellen und Knotenpunkte: Vor Bäcker, Supermarkt, Metzger, Frisör, Reitstall, freiwillige Feuerwehr, Taxifahrer, Kreuzungen, Hauptwege etc. 

 

Wo flyern in München verboten ist: In allen städtischen Parks, in denen die Grünflächenverordnung gilt (z.B. Englischer Garten, Maximiliansanlagen), an Bäumen, in Bushaltestellen, in der U-Bahn und in allen U- und S-Bahnhöfen oder auf Privatflächen ohne Genehmigung (z.B. Olympiapark oder Privatgrundstücke). In anderen Gemeinden gelten mitunter andere Regeln. 

 

Suchhunde

Nicht immer ist der Einsatz eines Suchhundes sinnvoll. Es gibt jedoch Situationen, die einen Einsatz erforderlich machen. Folgende Indikationen sprechen für einen schnellen Einsatz: 

  • Der Hund ist mit Leine entlaufen und es besteht die Gefahr, dass er festhängt. 
  • Der Hund hatte einen Unfall, z.B. mit einem Auto. Es besteht die Gefahr, dass er verletzt ist. 
  • Der Hund ist schon recht alt oder noch sehr jung (wenige Monate alt) und es besteht die Gefahr der Orientierungslosigkeit. 
  • Der Hund ist auf Medikamente angewiesen und droht ohne diese zu Schaden zu kommen. 

Für einen Suchhunde-Einsatz wird ein Geruchsartikel benötigt. Dieser sollte rechtzeitig gesichert werden. Geeignet ist alles, womit in der Regel das entlaufene Tier in Kontakt war: Hundedecke, Hundebürste, Kot, Geschirr, Spielzeug etc. Dabei sollte die Oberfläche nicht glatt sein, da hier der Geruch nicht gut haftet. Der Geruchsartikel wird von den Besitzern in eine große geruchsneutrale Tüte (z.B. Müllbeutel) gegeben und zur Seite gelegt (z.B. auf einen Schrank). Alle Menschen und Tiere, die mit diesem Artikel in Kontakt gekommen sind, müssen beim Start dabei sein, damit der Suchhund deren Gerüche als zu suchenden Geruch ausschließen kann. 

 

Achtung! Es gibt viele Hundebesitzer, die privat mit ihren Hunden trailen. Diese Hunde sind in der Regel nicht ausreichend ausgebildet! Auch sind Einsatzerfahrung, Einsatztaktik usw. immens wichtig. Unser Team verfügt über professionell ausgebildetete Suchhunde und Hundeführer, die gegen eine geringe Aufwandsentschädigung in den Einsatz gehen.

 

Futterstelle

Eine Futterstelle wird nicht sofort eingerichtet, sondern erst nach einigen Tagen oder auch Wochen, wenn der Hund an einer Stelle gesichtet wurde, idealerweise sogar mehrfach.  Mit einer Futterstelle kann er an das Gebiet gebunden werden, um ihn dann entweder manuell, per Lebendfalle oder Distanznarkose zu sichern. Der Einsatz einer Wildkamera ist unabdingbar, da sonst bei Annahme der Futterstelle nicht beurteilt werden kann, welches Tier das Futter frisst. Die Futterstelle muss täglich durch die gleiche Person mit attraktivem Futter befüllt werden. Wenn ihr unsicher seid, wann eine Futterstelle Sinn macht und welches Futter ihr nehmen sollt, beraten wir euch gerne!

 

Lebendfalle

Der Einsatz einer Lebendfalle macht dann Sinn, wenn alle Versuche, den Hund manuell zu sichern, gescheitert sind. Das kann in manchen Fällen relativ schnell der Fall sein, z.B. weil noch kein enger Bezug zu den Besitzern vorhanden ist, diese nicht mobil oder nicht vor Ort sind (Urlaub). Da eine Lebendfalle immer mit einer zu betreuenden Futterstelle verbunden ist, die sich als Lockmittel in der Falle befindet, ist auch hier der Einsatz einer Wildkamera unumgänglich. Lebendfallen und Wildtierkameras können gegen eine geringe Gebühr bei uns ausgeliehen werden.

 

Distanznarkose

Eine Distanznarkose ist sinnvoll, wenn alle anderen erdenklichen Maßnahmen gescheitert sind, d.h. der Hund nicht manuell zu sichern ist und auch der Einsatz einer Lebendfalle ergebnislos verlaufen ist. Voraussetzung für eine Distanznarkose ist, dass der Hund zuverlässig eine Futterstelle angenommen hat und zu möglichst exakt selben Uhrzeiten dort gefüttert wird. Wir empfehlen Heino Krannich, mit dem wir überwiegend gute Erfahrungen gemacht haben.