Richtiges Verhalten bei Sichtung.

Sichtung des eigenen Hundes

Euer Hund ist entlaufen und nun seht ihr ihn! Wie verhaltet ihr euch jetzt richtig? Grundsätzlich gilt: Ein Hund ist nach Entlaufen immer in einem absoluten Ausnahmezustand. Er „vergisst“ durch das Entlaufen erstmal alles, was er bisher (kennen)gelernt hat und verlässt sich wieder ausschließlich auf seine angeborenen Überlebensinstinkte. Diese sind bei allen Haushunden (nicht nur bei ehemaligen Straßenhunden) deutlich ausgeprägt vorhanden. Das bedeutet, dass er auch seine geliebten Besitzer auf den ersten Blick meist nicht (gleich) wiedererkennt und (erstmal) nicht auf die Ansprache der Besitzer reagiert, sondern diese wie alle anderen Menschen (zunächst) als Gefahr ansieht. In diesem Zustand nimmt er seinen Besitzer erstmal nur als Silhouette wahr und braucht Zeit, um sich geruchlich an ihn zu erinnern.

Auch die Körpersprache des Menschen ist für ihn entsprechend neu und bedrohlich. So hat ein Hund, der normalerweise überhaupt kein Problem damit hat, wenn sich sein Herrchen über ihn beugt oder frontal auf ihn zugeht, plötzlich große Angst, weil diese Körpersprache nun bedrohlich auf ihn wirkt. Auch auf direkten Blickkontakt kann er ängstlich reagieren.

Was also tun, wenn ich meinen Hund sehe?

Für alle Punkte gilt: Ganz langsam und vorsichtig bewegen, keine schnellen oder abrupten Bewegungen machen.

  1. Stehenbleiben, um den Hund nicht weiter zu bedrängen.
  2. Abwenden, um dem Hund zu signalisieren, dass von mir keine Gefahr ausgeht.
  3. Kein direkter Blickkontakt – am besten schaut man allgemein in seine Richtung und wendet den Blick immer wieder ab.
  4. Klein machen, z.B. seitlich in die Hocke gehen oder noch besser auf den Boden setzen. Sitzend sind wir für den sehr viel schnelleren Hund eine deutlich geringere Bedrohung als hockend oder gar stehend.
  5. Der Hund sollte zum Besitzer finden! Sollte er sich also entscheiden zu kommen, könnt ihr ganz leise positiv mit ihm sprechen, dabei aber immer mal wieder den Blick abwenden. Auch hier gilt weiterhin, den Namen des Hundes nicht zu rufen oder Kommandos zu benutzen.
  6. Sobald der Hund allerdings beginnt, sich wieder zu entfernen, solltet auch ihr das tun und euch zurückziehen, um ihm Raum zu geben. Idealerweise habt ihr in diesem Fall Profis an der Hand, die euch während der Sicherung beraten, da das Verhaltensrepertoire von Hund zu Hund sehr unterschiedlich sein kann.
  7. Erst wenn der Hund ganz nah ist, könnt ihr versuchen ihn am Geschirr oder Halsband zu nehmen. Seid dabei äußerst vorsichtig, denn mitunter habt ihr nur diesen einen Versuch. Missglückt er, wird der Hund mutmaßlich flüchten.

Sichtung eines fremden Hundes

Falls ihr einen fremden Hund seht, der entlaufen scheint, geht bitte wie Punkt 1. und 2 beschrieben vor und lasst den Hund dann unbedingt in Ruhe. Merkt euch den genauen Ort und die Laufrichtung und ruft idealerweise sofort die nächste Polizeistation und Tasso an. Dadurch kann der Besitzer informiert werden und sich um die Sicherung seines Hundes kümmern. Jeder missglückte Einfangversuch versetzt den Hund erneut in Panik und kann schlimmstenfalls zu einem Unfall führen oder den Hund viele Kilometer weitertreiben.